Unser Pädagogisches Konzept in aller Kürze

Das pädagogische Konzept der „Kokon – SelbstVerständlich lernen“ besteht im Wesentlichen aus drei Kernpunkten:

  1. Es beruht auf der Pädagogik von Maria Montessori, deren Kernpunkte mit dem Satz „Hilf mir, es selbst zu tun“ zusammengefasst sind. Jedes Kind möchte lernen und folgt dabei seinem eigenen „inneren Drehbuch“. Den Lehrern kommt entsprechend die Rolle des aufmerksamen Begleiters des Kindes zu.
  2. In der Schule wird das Prinzip der Nicht-Direktivität von Rebeca und Mauricio Wild berücksichtigt, denn nur eine Pädagogik, die eine individuelle Entwicklung und eigene Erfahrungen der Kinder zulässt, kann die gerade heute geforderten Schlüsselqualifikationen wie Selbständigkeit, Kreativität, vernetztes Denken und Teamfähigkeit fördern.
  3. Darüber hinaus steht die partnerschaftliche Zusammenarbeit im Fokus, welches durch soziokratische Grundprinzipien- und Werte, Teil des Gesamtkonzepts werden soll.

Die Schule orientiert sich inhaltlich an den Grundschulrichtlinien des Landes Nordrhein-Westfalen, in neu geschaffenen Strukturen ohne klassischen Stundenplan. Die Schülergruppen sind jahrgangsübergreifend organisiert. Sie können eigene Themen einbringen oder eine Tätigkeit ohne Zeitdruck zu Ende führen.

In einer vorbereiteten Lernumgebung werden vielfältige Lern-, Spiel- und Erfahrungsmöglichkeiten geboten, die den Kindern ein weitreichend selbstbestimmtes Lernen ermöglichen. Die Räume werden thematisch ausgestattet und gliedern sich in einen Raum mit Materialien für die Kulturtechniken und einer Leseecke, einen Forscher/Kreativraum mit Werkstatt und Spielmöglichkeiten sowie in einen Bewegungsraum sowie, nach Möglichkeit, einen Musikraum. Das offen zugängliche Material lädt die Kinder zum aktiven Lernen ein, bei dem sie sich ohne zeitliche oder thematische Vorgaben oder Kontrollen und Beurteilungen die entsprechenden Kulturtechniken aneignen. Projekte ermöglichen es den Kindern, gemeinsam in einer kleinen Gruppe an einer selbst gestellten Aufgabe zu arbeiten. Sie können bereits erworbenes Wissen einbringen, sich neue Fähigkeiten aneignen und geistige und körperliche Arbeit verbinden. Weitere inhaltliche Schwerpunkte sind soziales und ökologisches Lernen sowie kreative Tätigkeiten wie Musik, Tanz und künstlerisches Gestalten.

Die Aufgabe der Pädagogen ist es, die Bedürfnisse und Interessen der Kinder wahrzunehmen und entsprechend darauf zu reagieren. Der so begleitete Entwicklungsprozess ist frei von Benotung. Kinder und Eltern werden in regelmäßigen Abständen über die Entwicklung des Kindes z.B. in Form von Gesprächen, Dokumentationen und Berichten, ausführlich informiert. Zusätzlich ist viel Raum für Bewegung vorhanden, denn sensomotorische und kognitive Entwicklung haben in der Kokon einen gleich hohen Stellenwert. Unsere Schule soll durch eine Atmosphäre des respektvollen Umgangs miteinander geprägt sein. Besondere Aufmerksamkeit wird dem Umgang mit Regeln, Grenzen und Konflikten gewidmet. Darüber hinaus wird den Kindern Raum gegeben, für ihre Schule Mitverantwortung zu übernehmen.

Warum ist eine neue Art der Schule notwendig?

In der globalisierten Welt von heute und morgen, mit einer unüberschaubaren Menge von Wissen, brauchen Heranwachsende besondere Fähigkeiten: Es muss ihnen gelingen sich Überblick zu verschaffen, Gebiete zu kombinieren, aktiv auf immer neue Aufgabenstellungen und Herausforderungen einzugehen, flexibel im Denken zu sein, sich auf Teams und sehr unterschiedliche Menschen einzustellen, sich selbst und andere in all ihrer Vielfalt zu respektieren. Soziale Kompetenz wird wichtiger als je zuvor.

Die Arbeit, so wie wir sie heute kennen, wird es in zwanzig Jahren nicht mehr geben. Kinder für neue Herausforderungen auszubilden, ist unsere vorrangige Aufgabe. Deshalb müssen wir sie Freude am Lernen lehren, ihre Persönlichkeit stärken, ihre „soft skills“ fördern, ihre Problemlösungskompetenzen und ihre Selbstverantwortung in den Vordergrund stellen.[1]

Wenn Kinder sich entsprechend ihrer authentischen Bedürfnisse aufbauen und wachsen können, lernen sie, sich selbst zu gehorchen und entwickeln Selbstgefühl. Im Selbstgefühl kennen sie sich selbst und kennen ihre Bedürfnisse und wissen, wie sie diese befriedigen können. Sie respektieren sich selber und sind somit in der Lage, andere zu respektieren.

Unsere traditionelle Erziehung hat die Ziele, offen oder unterschwellig, Gehorsam und Disziplin zu erreichen. Dies geschieht letztlich mit den Mitteln der Unterdrückung durch körperliche und/oder psychische Gewalt, bzw. Manipulation und Liebesentzug.[2]

Kinder lernen dann am besten, wenn sie nicht gezwungen werden einen Großteil ihrer Energie dafür aufzubringen, ihre angeborenen Bedürfnisse wie Kommunikation oder Bewegung und ihre natürlichen Emotionen zu unterdrücken. Sie lernen dann am besten, wenn sie dies ohne Angst tun dürfen. Notendruck und Prüfungsstress sind kein geeigneter Nährboden für gute Entwicklung. Niemand kennt die individuelle Eigenart und das Entwicklungspotential des Kindes, niemand kann seine Fähigkeiten vorherbestimmen, nur das Kind selbst trägt in sich den Schlüssel zu optimaler Entwicklung. – Zum anderen stehen wir einer krass veränderten zukünftigen Gesellschaft gegenüber, in der unsere Kinder leben werden, und von der kein Lehrer und kein Lehrplan ein zutreffendes Bild vermitteln.[3]

Durch das Lernen aus eigenem Interesse und Antrieb werden Lerninhalte viel schneller aufgenommen und begriffen. Ziel ist es, die Kinder durch weitgehende Selbstbestimmung zu Selbstverantwortung und Eigenständigkeit zu führen. Die Aufgabe der Erwachsenen ist es, neue Anregungen zu geben, ihr Wissen zur Verfügung zu stellen, Coach zu sein. Die Lerninhalte, die sie anbieten, richten sich nach dem Entwicklungsstand des Kindes, was ein sehr individuelles Lernprofil mit sich bringt.

Geldern, im April 2019

[1] Neue Schule www.Bildungshof.at
[2] Die Definition von Nicht-Direktivität und Begleitung – Anna Harsch
[3] Neue Schule www.Bildungshof.at